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aus der Märkischen Oderzeitung vom 22.05.2000:

Obus hängt durch hohe Kosten am seidenen Faden

Stadt und Kreis müssen nach 2008 entscheiden

Von STEFFEN GÖTTMANN

Eberswalde/(M0Z) Bis zum Jahre 2008 sei der Obus sicher, sagte Frank Wruck, Geschäftsführer der Barnimer Busgesellschaft, kürzlich bei einer Diskussionsveranstaltung (MOZ berichtete) In Eberswalde. Danach müssten sich Kreis Barnim und Stadt Eberswalde entscheiden, ob sie das System erhalten wollen.

Wie berichtet, wird der Kreis den Öffentlichen Nahverkehr (ÖPNV) in den nächsten Jahren europaweit ausschreiben müssen. Der kommunalen Barnimer Busgesellschaft (BBG) obliegt es, bis dahin das Untemehmen wettbewerbsfähig zu machen. Ob das Streichkonzert indes, vor dem Obus halt macht, ist noch unklar.

Nach 2008 müsste die 1993/94 angeschaffte Flotte von 15 Obussen nach und nach ersetzt werden, sagte Wruck. Auf die Kommune kämen hohe Kosten zu. Wegen der nur in Kleinserien hergestellten Fahrzeuge verlange der Hersteller einen Stückpreis von einer Million Mark. Einfachere Busse zu kaufen, die weniger Komfort bieten, hält Wruck für wenig sinnvoll. Der Fahrgast erwarte auch beim ÖPNV ein gewisses Maß an Komfort.

Die Bahn beispielsweise setze auch, im Regionalverkehr klimatisierte Wagen ein. Als die BBG kurzfristig fünf gebrauchte Obusse, aus dem österreichischen Salzburg eingesetzt habe, seien zwei Fahrzeuge nur mit Holzbänken ausgestattet gewesen. "In Salzburg gab es mit diesen Bussen keine Probleme, in Eberswalde beschwerten sich die Fahrgäste", so Frank Wrucks Erfahrungen.

"Es ist ein gutes System, das sich aber nur im Eberswalder Stadtverkehr rechnet", urteilte der Geschäftsführer der Barnimer Busgesellschaft. 4,5 Millionen Fahrgäste beförderten die Obusse jährlich quer durch das Stadtgebiet. Das System bringe mehr Einnahmen als der Regionalverkehr, der mit Diesel-Kraftstoff betriebenen Bussen bestritten wird. Allerdings koste der Obus auch mehr.

Ein Obus verschlingt 7,72 Mark pro Kilometer, ein mit Diesel-Kraftstoff betriebener Bus rund 3,50 Mark je Kilometer. Bei den Einnahmen verbucht der Obus 4,60 Mark je Kilometer, der Regionalverkehr liegt bei rund zwei Mark. In der Stadt mit Diesel zu fahren, würde also der BGG Gewinne einbringen.

Bis zum Jahr 2008 kann sich vor allem in der Technik noch einiges ändern. Wruck hofft, dass bis dahin die Brennstoffzelle soweit entwickelt ist, dass sie auch in Bussen eingesetzt werden kann. "Ich habe da noch eine ökologische Vision im Hinterkopf ", bekennt der Chef des Busunternehmens. Zwischen Finowfurt und Eberswalde habe der Finowkanal acht Staustufen. "Wenn es uns gelänge, damit Strom zu gewinnen, dann fährt der Obus fast umsonst."

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